Loch Ness

Das erste, was jemandem einfällt, wenn er nach Schottland gefragt wird, ist wohl Loch Ness mit seinem Seeungeheuer Nessie. Und in der Tat ist dies wohl – ausgenommen vom Whisky – eine der Haupteinnahmequellen im Touristengeschäft Schottlands. 

Loch Ness ist ein Binnen-Süßwassersee, der während der letzten Eiszeit entstanden ist und seither Teil des Great Glen ist. Er trennt die nördlichen Highlands von den südlichen Highlands. Mit seiner 1,5 km Breite und 37 km Länge sowie einer Tiefe von knapp 300 m ist er nach Loch Lomond der größte See in Schottland. Seit dem 19. Jahrhundert ist Loch Ness über den Caledonian Channel sowohl mit der Nordsee als auch mit dem Atlantik verbunden. Die zwei beeindruckenden Schleusengänge befinden sich einmal in Fort Augustus, einer kleinen Stadt an der südlichen Spitze von Loch Ness, und bei Fort William („Neptune’s Staircase“). Von dort ist es nicht mehr weit bis in den Fjord, der in den Atlantik mündet. Hier kann man täglich zuschauen, wie Segelboote über die Schleusen gebracht werden – ein sehr interessantes Erlebnis.

Die Hauptstadt der Highlands – Inverness – liegt an der Mündung vom River Ness. Der Fluss führt Wasser von Loch Ness in die Nordsee. Inverness ist die einzige größere Stadt im hohen Norden Schottlands. Alle anderen Ortschaften haben zu wenige Einwohner, um noch als Stadt definiert zu werden.

Eine Fahrt rund um das Loch lohnt sich. An der Ostseite zwischen Dores und Foyers gibt es einige wassernahe Picknick-Areas, wo man sich gemütlich an den Strand des Lochs setzen und auf Nessie warten kann. In Foyers gibt es einen Wasserfall „Falls of Foyers“, zu dem man über einen befestigten Weg gelangt. Nichts Besonderes, aber wenn man Zeit hat, kann man diesen Abstecher einplanen. Hinter Foyers führt die Straße etwas vom Loch weg und eröffnet nach ein paar Biegungen eine wunderschöne Highland-Landschaft, die man unbedingt fotografisch festhalten sollte! Viel Heidekraut (im September natürlich am schönsten, weil die Heide da blüht) und natürlich verlaufende Bäche bestimmten das Landschaftsbild. Typischer für Schottland geht es kaum (nur noch ganz im Norden). Folgt man der Straße weiter gelangt man nach Fort Augustus mit seinen Schleusen. Auch hier lohnt ein Abstecher für einen Mittagslunch. Weiter geht’s dann auf der A82 Richtung Norden, entlang der Westseite des Lochs. Auf halber Strecke gelangt man zur Touristenhochburg Drumnadrochit. Einige km vor dem Ort liegt direkt an der Straße die Einfahrt zum Urquhart Castle, welches man ebenfalls besichtigen sollte (siehe auch unter Sehenswürdigkeiten den Artikel über Urquhart Castle). Dann geht’s weiter nach Norden. Die A82 führt direkt am See entlang. Durch die Bäume hat man immer wieder einen herrlichen Blick auf das Loch. Nur kann man auf dieser Schnellstraße nicht gut halten und auch eine Möglichkeit zum Wasser zu gehen hat man hier leider nicht.

Auf der Ostseite von Loch Ness relativ in der Mitte befindet sich die Touristenhochburg Drumnadrochit. Hier bekommt man Souvenirs jeglicher Art, die alle mit Nessie zu tun haben. Alleine im größten Visitor Center des Ortes gibt es eine ganze Regalwand nur mit Plüsch-Nessies jeglicher Größe und Variante – mit und ohne Kilt, lieb oder böse schauend. In Drumnadrochit gibt es zudem ein Nessie-Museum bzw. -Ausstellung, die sich zum Teil wissenschaftlich zum Teil humorvoll mit dem Mythos auseinandersetzt. In einem kleinen Teich vor dem Museum befindet sich eine schwimmende Kunststoff-Nessie, die ein beliebtes touristisches Fotomotiv darstellt.

Der Mythos Nessie ist mit zahlreichen Beweisen für und auch gegen das Ungeheuer ausgestattet. Die Schotten selbst wären keine Schotten wenn sie „ihr“ Lieblingsmonster verneinen würden. Es gibt immer wieder Sichtungen sowohl von Einheimischen als auch Touristen, die beweisen wollen, dass da „irgendwas“ im See ist. Manche gehen von einer Seeschlange aus, manche – mehr wissenschaftlich geprägte Leute – halten Nessie für einen (eigentlich ausgestorbenen) Plesiosaurier oder zumindest einem direkten Nachkommen davon. Sollte dem so sein, müsste eine ganze Gruppe von Plesiosaurus-Nachfahren im Loch überlebt haben, da auch Saurier keine tausende von Jahren alt werden können. Zudem kann Loch Ness die Ernährung einer solchen Gruppe mit seinem aktuellen Fischbestand gar nicht decken. Einige Stimmen behaupten, dass es unterirdische Zugänge vom See zur Nordsee gibt und die Tiere bei Sonarabtastung des Sees, wie es 2003 geschehen ist, sich dort verstecken würden. Das würde auch erklären, wie die Gruppe so lange überlebt haben könnte – denn die Nordsee bietet genügend Nahrungsgrundlage für eine größere Gruppe von Tieren derartiger Größe. Die Untersuchung des Sees jedenfalls hat keine Auffälligkeiten ans Tageslicht gebracht.

Zudem werden immer wieder Fotos als Fälschungen entlarvt. Die erste und wohl bekannteste Aufnahme wurde von R. K. Wilson 1934 geschossen bzw. gefälscht. Jahrzehnte später kam heraus, dass ein Mr. Wetherell dieses Foto gefälscht habe – Mr. Wilson habe mit der Sache nichts zu tun gehabt. Seither gibt es immer wieder Leute, die Fälschungen anfertigen. Teils absichtlich, teils fotografieren sie wirklich „etwas“, das auf dem See schwimmt, was sich zu guter Letzt jedoch als ein großer schwimmender Ast, ein Stör oder ein Otter entpuppt.

An stürmischen oder regnerischen Tagen ergeben sich auf Loch Ness ganz einzigartige Strömungsmuster und Wellengänge, die man bei schlechter Sicht sicherlich auch für das Auftauchen eines Tieres halten könnte. Zudem hat man einen Zusammenhang von Sichtungen und Aktivitäten vulkanischen Ursprungs im See entdeckt, welche ungewöhnliche visuelle Phänomene erzeugen könnten. Aber die vielen Sichtungen ähnlicher Objekte spricht ebenfalls eine deutliche Sprache, dass da draußen „etwas“ lebt. Der See gibt sein vermeindliches Geheimnis jedenfalls nicht preis… zum Glück für die Schotten, die vermutlich eine ihrer Hauptattraktionen verlieren würden, sollte es wirklich endgültig Beweise geben, dass Nessie – oder eine Gruppe von Nessies - nicht existiert.

Weitere Informationen gibt es hier:

http://www.lochness.com/  

http://www.nessie.co.uk/

http://www.visitlochness.net/

http://www.lochnessproject.org/



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